Bericht aus der Siegener Zeitung
Philharmonie Südwestfalen und Sängerbund 1888 Wilnsdorf musizierten erstmals gemeinsam
anne Wilnsdorf. Traditionen mit Neuem verbinden, das war die Devise beim Neujahrskonzert in der
Festhalle Wilnsdorf am Sonntagabend. Jeder denkt bei den Konzerten zu Jahresbeginn wohl erst einmal an
ein großes Orchester. Der Sängerbund 1888 Wilnsdorf zeigte aber am Wochenende, dass man auch noch mehr
daraus machen kann. Zusammen mit der Philharmonie Südwestfalen (Leitung: Russell N. Harris) hatten die
Sänger unter Leitung von Chordirektor Thomas Bröcher zu einem abwechslungsreichen Programm eingeladen.
Und diese Verbindung von Chor und Orchester hatte derart viele Musikinteressierte in die Festhalle gelockt,
dass vor der Kasse lange Schlangen entstanden und das Konzert schließlich ausverkauft war.
Die Philharmonie eröffnete den Abend mit Mozarts Ouvertüre zur »Entführung aus dem Serail«.
Hier wurde das neue Jahr wahrhaft mit Paukenschlägen, aber auch melodiösen, fast solistischen Passagen
der Holzbläser begrüßt. Auch das übrige Programm der Philharmonie stand ganz im Zeichen eines
stimmungsvollen, festlichen Jahresbeginns (wir berichteten). Bei Edvard Griegs »Landerkennung« verbanden
sich dann zum ersten Mal Männerstimmen und Orchester und ergaben eine reizvolle Klangmischung.
Sehr gefühlvoll, aber nicht ohne Spannung und Dramatik erinnerte das Stück ein wenig an Filmmusik.
Denn bei den Signalen der Bläser meinte man fast, ein Stück Land vor dem inneren Auge erscheinen zu sehen.
Höhepunkt des Stücks war jedoch das wunderschöne Solo von Thomas Bröcher.
Bei dem »Matrosenchor« aus der Oper »Der fliegende Holländer« von Richard Wagner schlugen Sänger und
Musiker dann etwas andere Töne an. Der volle Klang des Chores und die mitreißende Stimmung aller Musiker
sorgten für Begeisterung.
Nach einer kurzen Umbau-Pause präsentierte sich der Chor dann auch ohne Orchester. Zunächst sangen die
Wilnsdorfer Männer das dynamisch lebendige »I Will Praise Thee, O Lord« und schufen damit eine etwas
besinnlichere Atmosphäre. Spannend und wehmütig ging es dann mit dem »Tamburgesell« weiter, der seinen
letzten Abend vor seiner Strafe, dem Galgen, erlebt. Aber diese traurige Stimmung wurde mit den
beschwingten Klängen des Lieds »Wir lieben sehr im Herzen« schnell vergessen. Mit gutem Klang und viel
Präzision überzeugten die Wilnsdorfer Sänger auch ohne Orchester. Aber den meisten Applaus erntete wohl
der Bläck-Fööss-Klassiker »Dat Wasser vun Kölle«. Gut gelaunt und mit musikalischem Pepp zeigten sich
die Sänger hier von ihrer weniger ernsten Seite. Anschließend wollten die Zuhörer die Sänger nicht ohne
Zugabe von der Bühne gehen lassen.
Im zweiten Teil des Konzerts sorgte dann die Philharmonie noch einmal für Wiener-Konzerthaus-Flair mit
den traditionellen Neujahrs-Stücken wie Johann Strauss' »An der schönen blauen Donau«. Und auch hier
durfte die Zugabe natürlich nicht fehlen.